Niedrigeres Risiko
SDD setzt voraus, dass Beziehung oder Transaktion unter Annex-II-/III-Betrachtung ein geringes Risiko aufweist.
Die Vorschrift ermöglicht reduzierte Kundensorgfalt in niedrigeren Risikosituationen. Voraussetzung ist eine belastbare Risikobewertung. Auch bei SDD muss ausreichend Monitoring stattfinden, damit ungewöhnliche oder verdächtige Transaktionen erkannt werden können.
SDD setzt voraus, dass Beziehung oder Transaktion unter Annex-II-/III-Betrachtung ein geringes Risiko aufweist.
Identitätsverifizierung kann verschoben werden, spätestens jedoch 60 Tage nach Beziehungsbeginn.
Auch bei SDD müssen ungewöhnliche oder verdächtige Transaktionen erkannt werden können.
Bei Verdacht, Datenzweifeln oder Sanktionsumgehungsverdacht ist SDD ausgeschlossen.
Art. 33 folgt einer kontrollierten Reduktionslogik: Niedrigeres Risiko feststellen, konkrete vereinfachte Maßnahmen definieren, interne Verfahren dokumentieren, Verifizierung und Monitoring risikobasiert steuern, Voraussetzungen regelmäßig prüfen und SDD bei Ausschlussgründen sofort beenden.
Art. 33 muss in eine klare SDD-Governance übersetzt werden: Risikokriterien, zulässige Maßnahmen, interne Verfahren, Monitoring, Servicebedingungen vor Verifizierung, regelmäßige Überprüfung und harte Ausschlussgründe.
| Baustein nach Art. 33 AMLR | Regulatorischer Inhalt | Operative Bedeutung | TOM-/House-Bezug | Nachweisfokus |
|---|---|---|---|---|
| Niedrigeres Risiko | SDD ist zulässig, wenn Geschäftsbeziehung oder Transaktion unter Berücksichtigung der Risikofaktoren aus Annex II und Annex III ein niedriges Risiko aufweist. | Keine SDD ohne dokumentierte Low-Risk-Begründung. | Risk-Based Approach · SDD Governance | Low-Risk Assessment, Annex-II-/III-Mapping, SDD Approval. |
| Verifizierung nach Beziehungsbeginn | Verifizierung der Identität von Kunde und wirtschaftlich Berechtigtem kann nach Begründung der Geschäftsbeziehung erfolgen, wenn das konkrete niedrigere Risiko dies rechtfertigt, spätestens jedoch 60 Tage nach Beziehungsbeginn. | Nachgelagerte Verifizierung benötigt Fristen, Sperren und Eskalation. | CDD Timing · Onboarding Controls | Relationship Start Date, 60-Day Deadline, Verification Completion. |
| Reduzierte Update-Frequenz | Die Frequenz der Aktualisierung der Kundenidentifikation kann reduziert werden. | KYC Refresh kann weniger häufig erfolgen, bleibt aber erforderlich. | KYC Refresh · Lifecycle Controls | Review Cycle, Reduced Frequency Rationale, Refresh Evidence. |
| Reduzierter Informationsumfang | Die Menge der Informationen zur Identifizierung von Zweck und beabsichtigter Art der Beziehung oder Transaktion kann reduziert oder aus Transaktionsart bzw. Geschäftsbeziehung abgeleitet werden. | Purpose-Verständnis bleibt erforderlich, kann aber vereinfacht ermittelt werden. | Purpose & Intended Nature · CDD Data | Purpose Inference, Product Logic, Simplified Data Set. |
| Reduzierte Transaktionsprüfung | Frequenz oder Grad der Prüfung von Kundentransaktionen kann reduziert werden. | Monitoring wird risikobasiert reduziert, aber nicht abgeschaltet. | Transaction Monitoring · SDD Controls | Monitoring Scenario, Reduced Scrutiny Rationale, Alert Evidence. |
| Weitere AMLA-SDD-Maßnahmen | Weitere relevante vereinfachte Maßnahmen können nach AMLA-Identifikation gemäß Art. 28 angewandt werden. | SDD-Framework muss RTS-fähig bleiben. | AMLA RTS · Regulatory Change | RTS Monitoring, SDD Measure Catalogue, Policy Update. |
| Proportionalität | SDD-Maßnahmen müssen Art und Größe des Geschäfts sowie den konkreten niedrigeren Risikoelementen entsprechen. | SDD ist kein Standardrabatt, sondern risikoproportional zu begründen. | Governance · Proportionality | Business Size Assessment, Risk Rationale, Control Calibration. |
| Ausreichendes Monitoring | Auch bei SDD müssen Transaktionen und Geschäftsbeziehung ausreichend überwacht werden, damit ungewöhnliche oder verdächtige Transaktionen erkannt werden können. | SDD darf keine Blind Spots schaffen. | Monitoring · Detection · Reporting | Monitoring Evidence, Unusual Activity Detection, STR Escalation. |
| Interne Verfahren nach Art. 9 | Interne Verfahren müssen spezifische vereinfachte Verifizierungsmaßnahmen für unterschiedliche niedrigere Risikotypen enthalten. | SDD benötigt Policy- und Prozessverankerung. | Internal Policies · Procedures & Controls | SDD Policy, Customer Type Matrix, Procedure Evidence. |
| Dokumentation zusätzlicher Low-Risk-Faktoren | Entscheidungen zur Berücksichtigung zusätzlicher niedriger Risikofaktoren sind zu dokumentieren. | Abweichende oder ergänzende Low-Risk-Faktoren müssen nachvollziehbar sein. | Risk Governance · Evidence Management | Low-Risk Factor Log, Decision Note, Approval Trail. |
| Services vor Verifizierung | Bei nachgelagerter Verifizierung müssen Risikomanagementverfahren bestehen, unter welchen Bedingungen Services oder Transaktionen vor Verifizierung möglich sind. | Vorläufige Nutzung muss begrenzt und überwacht werden. | Onboarding Gate · Transaction Controls | Limit Rules, Transaction Caps, Service Restrictions, Monitoring. |
| Regelmäßige Überprüfung | Verpflichtete prüfen regelmäßig, ob die Voraussetzungen für SDD weiterhin bestehen. | Low-Risk-Status ist dynamisch und muss überprüft werden. | Ongoing Monitoring · KYC Lifecycle | SDD Review Calendar, Condition Check, Risk Reassessment. |
| Ausschluss bei Datenzweifeln | SDD ist zu unterlassen, wenn Zweifel an der Richtigkeit der Informationen von Kunde oder UBO bestehen oder Inkonsistenzen festgestellt werden. | Datenqualität ist Stop-Kriterium für SDD. | Data Quality · CDD Escalation | Data Doubt Alert, CDD Refresh, SDD Termination. |
| Ausschluss bei Wegfall Low Risk | SDD ist zu unterlassen, wenn niedrigere Risikofaktoren nicht mehr vorliegen. | Statuswechsel löst Standard-CDD oder EDD aus. | Risk Reclassification · Lifecycle Controls | Risk Change Log, CDD Upgrade, Control Update. |
| Ausschluss bei Monitoring-Erkenntnissen | SDD ist ausgeschlossen, wenn Monitoring der Transaktionen und Informationen aus der Geschäftsbeziehung ein Low-Risk-Szenario ausschließen. | Monitoring kann SDD beenden. | Monitoring · Detection · Risk Update | Monitoring Finding, Risk Override, Enhanced Review. |
| Ausschluss bei ML/TF-Verdacht | SDD ist ausgeschlossen, wenn Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung besteht. | Verdacht bricht jede SDD-Logik. | Suspicious Activity · FIU Reporting | Suspicion Case, STR Consideration, CDD Upgrade. |
| Ausschluss bei Sanktionsumgehungsverdacht | SDD ist ausgeschlossen, wenn Verdacht besteht, dass Kunde oder handelnde Person gezielte finanzielle Sanktionen umgehen oder vermeiden will. | TFS-Umgehungsrisiko führt zu sofortiger Eskalation aus SDD. | Sanctions · TFS Evasion Controls | Sanctions Evasion Alert, Screening Evidence, Escalation. |
Art. 33 erlaubt Vereinfachungen nur innerhalb eines kontrollierten Risikorahmens. Verpflichtete dürfen die Intensität von Verifizierung, Aktualisierung, Informationsgewinnung oder Monitoring reduzieren. Sie müssen aber weiterhin ausreichend überwachen, risikobasiert dokumentieren und SDD beenden, sobald die Low-Risk-Grundlage entfällt.
Art. 33 wirkt auf Risk Rating, SDD-Policy, Onboarding, KYC Refresh, Purpose Capture, Monitoring, Sanktionskontrollen, Datenqualität und Evidence Management.
Art. 33 ist prüfungsrelevant, weil Aufsicht und Revision nachvollziehen können müssen, warum SDD angewendet wurde, welche Maßnahmen reduziert wurden, ob Monitoring ausreichend blieb und ob Ausschlussgründe erkannt wurden.
| Nachweisbereich | Typische Evidenz | Prüfungsfrage |
|---|---|---|
| Low-Risk Eligibility Evidence | Risk Rating, Annex-II-/III-Mapping, Low-Risk-Faktoren, Approval. | War SDD aufgrund niedrigen Risikos zulässig? |
| SDD Measure Evidence | Maßnahmenkatalog, reduzierte Verifizierung, reduzierte Informationsaufnahme, reduzierte Monitoringfrequenz. | Welche konkreten SDD-Maßnahmen wurden angewendet? |
| 60-Day Verification Evidence | Beziehungsbeginn, Verifizierungsfrist, Completion Date, Overdue Escalation. | Wurde nachgelagerte Verifizierung spätestens binnen 60 Tagen abgeschlossen? |
| Service-before-Verification Evidence | Limitierung von Betrag, Anzahl oder Art der Transaktionen, Service Restrictions, Monitoring. | Waren Leistungen vor Verifizierung angemessen begrenzt und überwacht? |
| Internal Procedure Evidence | SDD Policy, Kundentypen, Low-Risk-Szenarien, spezifische vereinfachte Verifizierungsmaßnahmen. | Sind SDD-Maßnahmen in internen Verfahren nach Art. 9 verankert? |
| Monitoring Evidence | Transaktionsmonitoring, ungewöhnliche Aktivitäten, Alert Review, STR-Eskalation. | Ermöglicht SDD weiterhin die Erkennung ungewöhnlicher oder verdächtiger Transaktionen? |
| Condition Review Evidence | Regelmäßige Prüfung der Low-Risk-Voraussetzungen, Review Calendar, Risk Reassessment. | Wird regelmäßig geprüft, ob SDD weiterhin zulässig ist? |
| Stop-Rule Evidence | Datenzweifel, Inkonsistenzen, Wegfall Low Risk, Monitoring Findings, ML/TF-Verdacht, TFS-Umgehungsverdacht. | Wird SDD bei Ausschlussgründen rechtzeitig beendet? |
| QA Evidence | Stichproben, SDD Eligibility Testing, 60-Day SLA Testing, Findings, Remediation. | Funktioniert das SDD-Framework wirksam? |
Die Umsetzung sollte als Simplified Due Diligence Framework erfolgen — mit Low-Risk-Eligibility, SDD-Maßnahmenkatalog, 60-Tage-Verifizierung, Servicebedingungen vor Verifizierung, laufender Überprüfung und automatisierten Ausschlussregeln.
Art. 33 regelt niedrigere Risikosituationen. Die folgenden Artikel behandeln höhere Risiken, konkrete EDD-Maßnahmen und Gegenmaßnahmen.
Art. 34 ist das Gegenstück zu Art. 33 und regelt Maßnahmen bei höherem Risiko.
Art. 35 enthält Gegenmaßnahmen gegen externe ML/TF-Bedrohungen.
Art. 28 wird künftig weitere SDD-Maßnahmen und Informationsanforderungen konkretisieren.
Die Vorschrift verbindet Low-Risk-Bewertung, reduzierte CDD-Maßnahmen, 60-Tage-Verifizierung, interne Verfahren, laufende Überprüfung, Monitoringpflicht und harte Ausschlussgründe zu einem kontrollierten SDD-Framework.