Kundenidentifizierung
Der Kunde ist zu identifizieren und seine Identität zu verifizieren.
Art. 20 ist der operative Pflichtenkatalog der Kundensorgfalt. Die Norm verlangt ein risikobasiertes, aber vollständiges CDD-Verständnis: Identität, wirtschaftliches Eigentum, Zweck und Natur der Beziehung, gezielte finanzielle Sanktionen, Geschäftstätigkeit, laufendes Monitoring, PEP-Status, Drittpersonen und Vertretungsberechtigung.
Der Kunde ist zu identifizieren und seine Identität zu verifizieren.
Wirtschaftlich Berechtigte sind zu identifizieren und angemessen zu verifizieren.
Kunde und wirtschaftlich Berechtigte sind auf gezielte finanzielle Sanktionen zu prüfen.
Der Umfang der Maßnahmen richtet sich nach individueller ML/TF-Risikoanalyse.
Art. 20 folgt einer integrierten CDD-Kette: Kunde identifizieren, wirtschaftliches Eigentum verstehen, Zweck und Natur erfassen, Sanktions- und PEP-Risiken prüfen, Geschäfts- und Berufshintergrund analysieren, Transaktionen laufend überwachen und die Tiefe der Maßnahmen am individuellen Risiko ausrichten.
Art. 20 enthält neun konkrete CDD-Maßnahmen und eine risikobasierte Kalibrierung. Für die Umsetzung sollte jede Maßnahme auf Datenfelder, Systeme, Prozesse, Kontrollpunkte und Nachweise gemappt werden.
| Baustein nach Art. 20 AMLR | Regulatorischer Inhalt | Operative Bedeutung | TOM-/House-Bezug | Nachweisfokus |
|---|---|---|---|---|
| Art. 20(1)(a) Kundenidentifizierung | Identifizierung des Kunden und Verifizierung seiner Identität. | Grundlage jedes KYC-Prozesses; ohne belastbare Identität keine wirksame CDD. | CDD · Onboarding · Data Governance | Identitätsdaten, Verifikationsmethode, Dokumente, eID, Prüfprotokoll. |
| Art. 20(1)(b) Beneficial Owner | Identifizierung der wirtschaftlich Berechtigten und angemessene Verifizierungsmaßnahmen, damit der Verpflichtete weiß, wer wirtschaftlich berechtigt ist und Ownership & Control versteht. | UBO-Prüfung ist nicht nur Datenerhebung, sondern Strukturverständnis. | Beneficial Ownership & Transparency | UBO-Daten, Kontrollstruktur, Registerauszug, Ownership Chart, Plausibilisierung. |
| Art. 20(1)(c) Zweck und Art | Bewertung und gegebenenfalls Einholung von Informationen zu Zweck und beabsichtigter Art der Geschäftsbeziehung oder gelegentlichen Transaktion. | CDD muss erklären, warum die Beziehung oder Transaktion wirtschaftlich plausibel ist. | Customer Risk Assessment · Transaction Context | Purpose Statement, Produktnutzung, erwartetes Verhalten, Transaktionszweck. |
| Art. 20(1)(d) Targeted Financial Sanctions | Prüfung, ob Kunde oder wirtschaftlich Berechtigte gezielten finanziellen Sanktionen unterliegen; bei juristischen Personen auch Prüfung auf Kontrolle oder mehr als 50 % Eigentums-/Mehrheitsinteresse durch sanktionierte Personen. | Sanktionsprüfung wird ausdrücklich Teil der CDD. | Sanctions, Restrictive Measures & Screening | Screening Hits, Ownership & Control Analysis, 50-%-Prüfung, Entscheidungsdokumentation. |
| Art. 20(1)(e) Geschäft, Beschäftigung oder Beruf | Bewertung und gegebenenfalls Informationen zur Natur des Geschäfts des Kunden, bei Unternehmen zu Aktivitäten, bei natürlichen Personen zu Beschäftigung oder Beruf. | Geschäfts- und Berufshintergrund stützen Plausibilität, Risikoanalyse und Monitoring. | Risk Assessment · Customer Profile | Branche, Tätigkeit, Beruf, Einkommens-/Geschäftsprofil, Quellen. |
| Art. 20(1)(f) Laufendes Monitoring | Ongoing Monitoring der Geschäftsbeziehung einschließlich Prüfung von Transaktionen während der Beziehung, damit diese mit Kundenkenntnis, Geschäft und Risikoprofil übereinstimmen; soweit nötig einschließlich Source of Funds. | CDD ist ein laufender Lebenszyklus, nicht nur Onboarding. | Monitoring, Detection & Reporting | Monitoring Alerts, Review Notes, Source-of-Funds Evidence, Pattern Analysis. |
| Art. 20(1)(g) PEP, Family, Close Associates | Feststellung, ob Kunde, wirtschaftlich Berechtigter oder relevante Person, auf deren Rechnung oder zu deren Nutzen eine Transaktion oder Aktivität erfolgt, PEP, Familienmitglied oder bekannter nahestehender Partner ist. | PEP-Logik wird unmittelbar in die Standard-CDD integriert. | EDD / PEP · Screening · Risk Rating | PEP Screening, Family/Close Associate Checks, Trefferbewertung, EDD-Trigger. |
| Art. 20(1)(h) Dritte natürliche Personen | Wenn Transaktion oder Aktivität im Namen oder zugunsten anderer natürlicher Personen als des Kunden erfolgt, sind diese Personen zu identifizieren und ihre Identität zu verifizieren. | CDD muss wirtschaftlich relevante Drittpersonen erfassen, nicht nur den formalen Kunden. | Acting-on-Behalf · Beneficial Use | Drittpersonendaten, Verifikationsnachweis, Beziehungslogik, Mandats-/Nutzendokumentation. |
| Art. 20(1)(i) Vertreterprüfung | Prüfung, ob eine Person, die vorgibt, im Namen des Kunden zu handeln, dazu berechtigt ist; Identifizierung und Verifizierung dieser Person. | Vertretungs- und Vollmachtslogik ist CDD-Kernbestandteil. | Authorisation Controls · Onboarding | Vollmacht, Zeichnungsberechtigung, Registerdaten, Vertreter-ID, Prüfprotokoll. |
| Art. 20(2) Risikobasierte Kalibrierung | Der Umfang der Maßnahmen wird auf Basis einer individuellen ML/TF-Risikoanalyse bestimmt, unter Berücksichtigung spezifischer Kunden- und Beziehungsmerkmale, Art. 10 BWRA, Annex I sowie Annex II und III. | CDD-Tiefe muss risikobasiert begründet werden. | Risk-Based Approach · CDD Calibration | Customer Risk Rating, Risk Variables, Annex Mapping, SDD/EDD-Rationale. |
| Art. 20(3) AMLA Guidelines | AMLA soll bis 10.07.2026 Guidelines zu Risikovariablen und Risikofaktoren bei Geschäftsbeziehungen und gelegentlichen Transaktionen veröffentlichen. | Risk-Factor-Methodik muss guideline-ready sein. | Regulatory Change · AMLA Readiness | Guideline Monitoring, Impact Assessment, Methodik-Update. |
| Art. 20(4) Demonstrationspflicht | Verpflichtete müssen jederzeit gegenüber Aufsehern nachweisen können, dass die ergriffenen Maßnahmen im Verhältnis zu den identifizierten ML/TF-Risiken angemessen sind. | CDD muss nicht nur durchgeführt, sondern risikobasiert begründet und aufsichtsfähig dokumentiert werden. | Wirksamkeit nachweisen · Supervisory Readiness | CDD File, Risk Rationale, Evidence Pack, QA, Audit Trail. |
Die Maßnahmen des Art. 20(1) bilden den CDD-Pflichtenkatalog. Ihr Umfang ist jedoch nach Art. 20(2) risikobasiert zu bestimmen. Höhere Risiken führen zu Enhanced Due Diligence nach Abschnitt 4 des Kapitels III; niedrigere Risiken können Simplified Due Diligence nach Abschnitt 3 erlauben. Entscheidend ist, dass die konkrete Tiefe der Maßnahmen immer nachvollziehbar begründet ist.
Art. 20 wirkt auf das gesamte CDD Operating Model: Kundenidentität, UBO, Sanktionen, PEP, Geschäftsprofil, Transaktionsmonitoring, Drittpersonen, Vertreter, Risikoklassifikation, Datenqualität und Nachweisfähigkeit.
Art. 20 ist besonders prüfungsrelevant, weil Aufsicht und Revision erwarten werden, dass jede CDD-Maßnahme durchgeführt, risikobasiert kalibriert, dokumentiert, aktuell gehalten und bei erhöhtem oder geringerem Risiko nachvollziehbar angepasst wird.
| Nachweisbereich | Typische Evidenz | Prüfungsfrage |
|---|---|---|
| Customer Identity Evidence | Identitätsdaten, Verifikationsdokumente, eID-Nachweise, Verifikationszeitpunkt, Prüfprotokoll. | Wurde der Kunde identifiziert und seine Identität verifiziert? |
| Beneficial Ownership Evidence | UBO-Daten, Ownership Chart, Registerauszüge, Kontrollstruktur, Verifikationsmaßnahmen. | Kennt der Verpflichtete den wirtschaftlich Berechtigten und versteht Ownership & Control? |
| Purpose & Nature Evidence | Zweck der Beziehung, erwartete Produkte, Transaktionsmuster, wirtschaftliche Plausibilität. | Ist Zweck und beabsichtigte Art der Beziehung oder Transaktion verstanden? |
| Sanctions Evidence | Screening-Ergebnisse, Ownership-Control-Prüfung, 50-%-Analyse, Hit-Disposition, Eskalation. | Sind Kunde, UBO und kontrollierende sanktionierte Personen geprüft? |
| Business / Occupation Evidence | Branche, Geschäftstätigkeit, Beschäftigung, Beruf, Einkommens-/Umsatzprofil, externe Quellen. | Ist die Natur des Geschäfts oder der berufliche Hintergrund angemessen bewertet? |
| Ongoing Monitoring Evidence | Transaktionsmonitoring, Review Notes, Source-of-Funds-Prüfung, Alert-Entscheidungen, Profilabgleich. | Werden Transaktionen an Kundenkenntnis, Geschäft und Risikoprofil gespiegelt? |
| PEP Evidence | PEP-Screening, Family-/Close-Associate-Prüfung, Trefferbewertung, EDD-Trigger. | Wurde PEP-, Familien- und Close-Associate-Status geprüft? |
| Third-Person Evidence | Identifizierung und Verifizierung natürlicher Personen, in deren Namen oder zu deren Nutzen gehandelt wird. | Wurden relevante Drittpersonen korrekt erfasst? |
| Authorisation Evidence | Vollmachten, Zeichnungsrechte, Registerdaten, Vertreteridentität, Berechtigungsprüfung. | Ist jede handelnde Person berechtigt und verifiziert? |
| Risk-Based Calibration Evidence | Customer Risk Rating, Annex-I/II/III-Mapping, SDD-/EDD-Begründung, Maßnahmenumfang. | Ist der Umfang der CDD-Maßnahmen risikobasiert angemessen? |
| Supervisory Demonstration Evidence | CDD Evidence Pack, QA-Ergebnisse, Audit Trail, Management Reporting, Remediation. | Kann der Verpflichtete jederzeit die Angemessenheit der Maßnahmen gegenüber Aufsehern belegen? |
Die Umsetzung sollte als vollständiges CDD Measure Framework erfolgen — mit Datenmodell, KYC-Prozess, UBO-Analyse, Sanctions- und PEP-Screening, Monitoring, Vertreterprüfung, Drittpersonenlogik, Risikokalibrierung und Evidence Repository.
Art. 20 definiert die CDD-Maßnahmen. Die folgenden Artikel regeln, was bei Nichterfüllung gilt, wie Identifizierung und Verifizierung konkret erfolgen und wann sie zeitlich abgeschlossen sein müssen.
Art. 21 regelt die Folgen, wenn erforderliche CDD-Maßnahmen nicht durchgeführt werden können.
Art. 22 konkretisiert Identifizierung und Verifizierung von Kunden und wirtschaftlich Berechtigten.
Art. 23 legt fest, wann die Verifizierung von Kunde und UBO zu erfolgen hat.
Die Vorschrift verbindet Identifizierung, UBO, Zweck und Natur, Sanktionen, Geschäftshintergrund, laufendes Monitoring, PEP, Drittpersonen, Vertreterprüfung und risikobasierte Kalibrierung zu einem vollständigen CDD Operating Model.