Operational
Workflow Model
End-to-End-Modell zur operativen Anwendung des Draft RTS: vom eingehenden Report of Suspicion über Selection Criteria, XBR/XBD-Übermittlung, Relevance Assessment und FIU.net-Folgekommunikation.
Diese Unterseite übersetzt die regulatorische Logik des Draft RTS in ein operatives FIU-Arbeitsmodell. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ein eingegangener Report of Suspicion verarbeitet wird, wann Cross-Border Reports oder Cross-Border Disseminations ausgelöst werden und wie receiving FIUs anschließend mit den erhaltenen Informationen umgehen.
Der Draft RTS macht Cross-Border-Transmission zu einem strukturierten FIU-Prozess.
Das Operational Workflow Model beginnt mit einem Report of Suspicion, der nach Art. 69(1) AMLR bei einer FIU eingeht. Anschließend prüft die FIU, ob Auswahlkriterien nach dem Draft RTS auf einen oder mehrere andere Mitgliedstaaten verweisen.
Ergibt die Prüfung einen XBR-Bezug, wird der Report selbst an die FIU des betroffenen Mitgliedstaats weitergeleitet. Ergibt die Prüfung einen XBD-Bezug, werden relevante Informationen aus dem Report an die receiving FIU übermittelt. Bei XBDs liegt die Relevanzbewertung anschließend bei der receiving FIU.
Der Workflow ist damit kein lineares Meldeformular, sondern eine arbeitsteilige Cross-Border-Logik. Sie kombiniert strukturierte Auswahlkriterien, automatisierbare Datenpunkte, risikobasierte Bewertung durch die receiving FIU und Folgekommunikation über FIU.net.
Das Workflow-Modell folgt der Rollenverteilung des Draft RTS.
Report of Suspicion
Ausgangspunkt ist ein Report, der von einem Verpflichteten an die zuständige FIU übermittelt wurde.
Selection Criteria
Die transmitting FIU identifiziert anhand strukturierter Kriterien, ob ein anderer Mitgliedstaat betroffen ist.
XBR oder XBD
Das Ergebnis ist die Weiterleitung des Reports als XBR oder die Übermittlung relevanter Informationen als XBD.
| Workflow-Stufe | Zuständige Rolle | Regulatorische Funktion |
|---|---|---|
| Report Intake | Nationale FIU | Empfang des Reports of Suspicion nach Art. 69(1) AMLR. |
| Selection Screening | Transmitting FIU | Anwendung der Auswahlkriterien nach Art. 4 und 5 Draft RTS. |
| Transmission Decision | Transmitting FIU | Entscheidung, ob XBR, XBD oder beide Transmission Types ausgelöst werden. |
| Relevance Assessment | Receiving FIU | Bewertung, ob eine empfangene XBD für die Funktionen der receiving FIU relevant ist. |
| Request and Response | Receiving FIU und transmitting beziehungsweise XBR-FIU | Nachforderung weiterer relevanter Informationen über FIU.net. |
Fünf Stufen strukturieren die operative Anwendung des Draft RTS.
Report Intake
Die nationale FIU erhält einen Report of Suspicion von einer reporting entity. Der Draft RTS setzt an diesem Punkt nachgelagert an und verändert die Erstmeldepflicht des Verpflichteten nicht.
Structured Selection Screening
Die FIU prüft, ob der Report anhand der Auswahlkriterien einen Bezug zu einem anderen Mitgliedstaat aufweist. Dabei wird zwischen XBR-Kriterien und XBD-Kriterien unterschieden.
Transmission Routing
Je nach Ergebnis wird der Report als XBR weitergeleitet, relevante Informationen werden als XBD übermittelt oder es entstehen parallele XBR/XBD-Konstellationen.
Receiving FIU Assessment
Die receiving FIU bewertet bei XBDs, ob die erhaltene Information für ihre Funktionen, ihr nationales Risikoprofil und ihre operativen Prioritäten relevant ist.
Follow-up Request and Data Completion
Wenn die XBD als relevant bewertet wird, kann die receiving FIU weitere relevante Informationen anfordern. Anfrage und Antwort sollen über FIU.net und mit den vorgesehenen Templates erfolgen.
Der operative Workflow enthält klare Entscheidungspunkte.
Liegt ein XBR-Bezug vor?
Die FIU prüft, ob die XBR-Auswahlkriterien erfüllt sind. Maßgeblich ist insbesondere die Location of the Customer. Bei fehlender Lokationsinformation greifen die vorgesehenen Ersatzkriterien für natürliche oder juristische Personen.
Liegt ein XBD-Bezug vor?
Die FIU prüft, ob primary subjects, finanzielle Vermögenswerte oder ein voll positiver FIU.net-Hit einen Bezug zu einem anderen Mitgliedstaat herstellen.
Sind mehrere Mitgliedstaaten betroffen?
Wenn mehrere Mitgliedstaaten durch die Kriterien identifiziert werden, erfolgt die Übermittlung an alle betroffenen FIUs oder nach der im Draft RTS vorgesehenen Zielstaatenlogik.
Ist die XBD für die receiving FIU relevant?
Die receiving FIU bewertet die XBD anhand ihrer Funktionen, nationalen Risikolage und gegebenenfalls scorecardgestützter Priorisierung. Bei Relevanz kann sie weitere Informationen anfordern.
| Entscheidung | Prüffrage | Operatives Ergebnis |
|---|---|---|
| XBR Routing | Welcher Mitgliedstaat ist anhand der Kundenlokation oder Ersatzkriterien betroffen? | Reportweiterleitung an die identifizierte receiving FIU. |
| XBD Routing | Welche primary subjects, Assets oder FIU.net-Hits verbinden den Report mit anderen Mitgliedstaaten? | Übermittlung relevanter Informationen als XBD. |
| Parallel Transmission | Werden XBR- und XBD-Kriterien für denselben Report zugleich erfüllt? | Koordinierte Übermittlung an mehrere FIUs mit Hinweis auf weitere Empfänger. |
| Follow-up | Bewertet die receiving FIU die XBD als relevant? | Anforderung weiterer relevanter Informationen über FIU.net. |
Der Workflow muss parallele Transmission Types kontrolliert abbilden.
Der Draft RTS behandelt ausdrücklich Fälle, in denen derselbe Report sowohl einen XBR als auch eine oder mehrere XBDs auslöst. Operativ bedeutet dies, dass mehrere FIUs informiert werden können, ohne dass die weitere Kommunikation unkontrolliert auseinanderläuft.
Nur XBR
Der Report wird als Cross-Border Report an die FIU des identifizierten Mitgliedstaats weitergeleitet.
Nur XBD
Relevante Informationen aus dem Report werden an eine oder mehrere receiving FIUs weitergegeben.
XBR plus XBD
Der Report wird an eine FIU weitergeleitet; zusätzlich erhalten weitere FIUs Key Information als XBD.
Information aller receiving FIUs
Alle receiving FIUs sollen darüber informiert werden, dass Informationen auch mit anderen FIUs geteilt wurden.
Benennung der XBR-FIU
Die FIUs sollen eine Angabe dazu erhalten, welche FIU den XBR erhalten hat.
Zentrale Folgekommunikation
Fordert eine XBD-empfangende FIU weitere Informationen an, richtet sie diese Anfrage in parallelen XBR/XBD-Konstellationen an die FIU, die den XBR erhalten hat.
Der Workflow braucht nachvollziehbare Kontrollpunkte.
Der Draft RTS definiert selbst keine interne FIU-Kontrollarchitektur. Aus der regulatorischen Logik lassen sich jedoch zentrale operative Kontrollpunkte ableiten, die für eine konsistente, zeitnahe und verhältnismäßige Anwendung der Kriterien erforderlich sind.
| Kontrollpunkt | Zweck | House-of-AML-Einordnung |
|---|---|---|
| Data Availability Check | Prüfung, ob die für XBR- oder XBD-Kriterien erforderlichen strukturierten Daten vorhanden sind. | Ohne ausreichende Datenqualität kann die automatisierbare Kriterienlogik nicht belastbar wirken. |
| Criteria Mapping | Zuordnung der relevanten Datenpunkte zu den XBR- und XBD-Auswahlkriterien. | Verhindert, dass Cross-Border-Bezüge übersehen oder falsch geroutet werden. |
| Multi-State Review | Prüfung, ob mehrere Mitgliedstaaten betroffen sind. | Wichtig zur Vermeidung von Informationslücken in komplexeren Cross-Border-Sachverhalten. |
| Relevance Prioritisation | Bewertung empfangener XBDs durch die receiving FIU. | Schlüssel zur Vermeidung von Overburdening bei gleichzeitiger Sicherung relevanter Intelligence. |
| Request Routing | Sicherstellung, dass Folgeanfragen an die richtige FIU gerichtet werden. | Besonders relevant bei paralleler XBR/XBD-Übermittlung und zentraler Koordinationslogik. |
Die praktische Umsetzbarkeit hängt von Daten, Technik und Rollenklärung ab.
Strukturierte Datenpunkte
Der Workflow setzt voraus, dass relevante Informationen zu Personen, juristischen Personen, Assets, Accounts und Länderbezügen strukturiert verfügbar sind.
FIU.net-Anbindung
FIU.net ist zentral für Match-Funktionalität, Follow-up-Anfragen und Response-Prozesse im FIU-to-FIU-Austausch.
Rollen und Verantwortlichkeiten
Die Trennung zwischen transmitting FIU und receiving FIU muss operativ klar abgebildet werden.
Das Workflow-Modell macht den RTS praktisch greifbar.
Aus Sicht des House of AML liegt der Wert des Draft RTS nicht nur in den einzelnen Kriterien, sondern in der Prozesslogik. Der Standard beschreibt eine neue operative Kette: nationaler Reporteingang, strukturierte Cross-Border-Erkennung, kontrollierte Übermittlung, Relevanzbewertung durch die receiving FIU und stufenweise Informationsvertiefung.
Diese Kette kann nur funktionieren, wenn Datenpunkte, Rollen und technische Kommunikation zusammenpassen. Die Auswahlkriterien sind auf strukturierte Daten angewiesen; die Relevanzbewertung ist auf nationale Risiko- und Analysefähigkeit angewiesen; die Follow-up-Kommunikation ist auf FIU.net und klare Routing-Regeln angewiesen.
Für Verpflichtete bleibt der Workflow mittelbar relevant. Je präziser und strukturierter ein Report of Suspicion erstellt wird, desto besser kann die FIU den Cross-Border-Bezug erkennen, XBR- oder XBD-Kriterien anwenden und eine europäisch anschlussfähige Financial Intelligence erzeugen.
Navigation im RTS AMLD Art. 31(3) Hub.
Selection Criteria & Relevance Assessment
Vertiefung der Auswahlkriterien, Relevanzbewertung, Rollenverteilung und Risk Scorecard.
08 · LogicFIU-to-FIU Transmission Logic
Logik der Übermittlung zwischen transmitting FIU und receiving FIU einschließlich Auslöser und Zielrichtung.
10 · ProtectionData Protection, Confidentiality & Use Limitation
Datenschutz, Vertraulichkeit, Zweckbindung und begrenzte Nutzung grenzüberschreitend übermittelter FIU-Informationen.
11 · ImpactImpact for FIUs & Obliged Entities
Auswirkungen des Draft RTS auf FIUs, Verpflichtete, Datenqualität und grenzüberschreitende Analysefähigkeit.
12 · FAQFAQ & Interpretation Guide
Antworten auf zentrale Praxisfragen zu XBR, XBD, Relevanzkriterien, FIU-Rollen, Abgrenzung und operativer Anwendung.
13 · ToolkitHouse of AML FIU Cooperation Toolkit
Checklisten, Entscheidungslogik, Impact-Fragen und Umsetzungsbausteine für die strukturierte Bewertung des Draft RTS.
06 · XBDCross-Border Disseminations Framework
Analyse der Weitergabe relevanter Informationen aus einem Report an eine andere FIU als XBD.
Primärquelle dieser Unterseite.
- AMLA Consultation Paper – Draft Regulatory Technical Standards specifying the relevance and selection criteria when determining whether a report submitted pursuant to Article 69(1), first subparagraph, point (a), of Regulation (EU) 2024/1624 concerns another Member State under Article 31(3) of Directive (EU) 2024/1640.
Methodischer Hinweis: Sämtliche regulatorischen Aussagen dieser Unterseite basieren ausschließlich auf dem AMLA Consultation Paper zum Draft RTS nach Art. 31(3) AMLD. Eigene Bewertungen, Umsetzungsansätze und praxisorientierte Empfehlungen sind ausdrücklich als House of AML Expert Assessment gekennzeichnet und stellen fachliche Experteneinschätzungen dar.