Phasenmodell
nach Bernasconi
Das Phasenmodell nach Bernasconi gehört zu den frühen theoretischen Ansätzen zur Beschreibung von Geldwäsche. Es unterscheidet zwischen Geldwäsche ersten und zweiten Grades sowie zwischen geografischen und zeitlichen Gesichtspunkten. Damit geht das Modell über eine einfache Abfolge von Transaktionen hinaus und macht sichtbar, dass Geldwäsche sowohl eine stufenweise als auch eine räumlich und zeitlich gestreckte Handlung sein kann.
Phasenmodell der Geldwäsche nach Bernasconi.
Eigene grafische Darstellung in Anlehnung an Bernasconi, dargestellt bei Bongard. Die Grafik zeigt die vier zentralen Betrachtungsebenen: Geldwäsche ersten Grades, Geldwäsche zweiten Grades, geografische Dimension und zeitliche Dimension.
Ein Modell zwischen Technik, Raum und Zeit.
Bernasconi beschreibt Geldwäsche nicht nur als einmaligen Vorgang, sondern als mehrdimensionale Handlung. Zunächst werden Vermögenswerte aus Straftaten einer ersten Reinigung unterzogen. Anschließend können weitere Verschleierungsschritte folgen, durch die die Verbindung zur illegalen Herkunft zunehmend erschwert wird.
Besonders wichtig ist, dass Bernasconi neben dem technischen Ablauf auch geografische und zeitliche Gesichtspunkte berücksichtigt. Geldwäsche kann über Ländergrenzen hinweg erfolgen und sich über längere Zeiträume erstrecken.
Die vier Betrachtungsebenen des Modells.
Geldwäsche ersten Grades
Geldwäsche ersten Grades beschreibt die erste Reinigung der aus Straftaten stammenden Vermögenswerte. Ziel ist es, die unmittelbare Herkunft zu verdecken und die Gelder erstmals in wirtschaftliche oder finanzielle Strukturen einzubringen.
Geldwäsche zweiten Grades
Geldwäsche zweiten Grades bezeichnet weitergehende Verschleierungshandlungen. Durch zusätzliche Transfers, Umwandlungen oder Zwischenschritte wird der Zusammenhang zwischen Vermögenswerten und illegaler Herkunft weiter verzerrt.
Geografische Dimension
Der geografische Gesichtspunkt unterscheidet zwischen dem Land, in dem die illegale Tat begangen wurde, und Orten, an denen Geldwäschehandlungen durchgeführt werden. Dazu können Finanzplätze, Offshore-Zentren oder andere Jurisdiktionen gehören.
Zeitliche Dimension
Die zeitliche Dimension verdeutlicht, dass Geldwäsche nicht zwingend sofort abgeschlossen ist. Verschleierung, Transfers und Integration können sich über längere Zeiträume erstrecken.
Warum Bernasconi für die Modellreihe wichtig ist.
Das Phasenmodell von Bernasconi ist wichtig, weil es eine frühe mehrdimensionale Sicht auf Geldwäsche eröffnet. Anders als rein lineare Modelle betrachtet es nicht nur technische Transaktionsschritte, sondern auch räumliche und zeitliche Verschiebungen.
- Es unterscheidet zwischen erster Reinigung und weiterer Verschleierung.
- Es erkennt die Bedeutung geografischer Verlagerung.
- Es berücksichtigt den zeitlichen Verlauf von Geldwäschehandlungen.
- Es bildet eine Grundlage für spätere Modelle wie das Drei-Phasen-Modell, Zyklusmodell und Kreislaufmodell.
Praktische Relevanz für Financial Crime Compliance.
Für die heutige Geldwäscheprävention ist Bernasconi besonders relevant, weil moderne Financial-Crime-Fälle häufig räumlich verteilt, zeitlich gestreckt und mehrstufig verschleiert sind.
Von erster Reinigung zu komplexer Verschleierung
Das Modell hilft, einfache Einbringungshandlungen von weitergehenden Verschleierungs- und Layering-Strukturen zu unterscheiden.
Geografische Verlagerung
Die geografische Dimension macht deutlich, warum internationale Transfers, Offshore-Zentren und grenzüberschreitende Strukturen besondere Risiken darstellen.
Zeitliche Streckung
Die zeitliche Dimension unterstützt die Betrachtung wiederkehrender Muster, verzögerter Integration und langfristiger Verschleierung.
Das Modell gehört zum regulatorischen Fundament und zur Risikoerkennung.
Primärer House-Baustein
Regulatorisches Fundament
Das Phasenmodell vermittelt Grundlagenwissen über die Struktur, Mehrstufigkeit und räumlich-zeitliche Ausprägung von Geldwäschehandlungen.
Einordnung innerhalb der Modellreihe.
Modell der US-Zollbehörde
Das klassische Drei-Phasen-Modell mit Placement, Layering und Integration.
WeiterführendZyklusmodell
Das Modell zeigt Verflechtungen und Querverbindungen zwischen Geldwäschephasen.
VergleichVergleich der Modelle
Systematische Gegenüberstellung aller historischen Geldwäschemodelle.
Quellenbasis.
- Bernasconi, Paolo: Phasenmodell der Geldwäsche.
- Bongard, Kai (2013): Wirtschaftsfaktor Geldwäsche – Analyse und Bekämpfung.
- Ackermann, Hans (1992): Geldwäsche – Money Laundering.