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Handlungsmodelle der Geldwäsche · Kreislaufmodell nach Zünd

Kreislaufmodell
nach Zünd

Geldwäsche als Kreislaufprozess analog zum natürlichen Wasserkreislauf.

Das Kreislaufmodell nach André Zünd beschreibt Geldwäsche nicht lediglich als lineare Abfolge einzelner Phasen, sondern als wiederkehrenden Kreislauf. Zünd nutzt dabei die Analogie des natürlichen Wasserkreislaufs, um die Entstehung, Reinigung, Sammlung, Weiterleitung, Nutzung und Rückführung illegaler Vermögenswerte zu erklären.

Modellgrafik

Geldwäsche als Wasserkreislauf.

Eigene grafische Darstellung in Anlehnung an Zünd (1990), dargestellt bei Bongard (2013). Die Grafik übernimmt die Grundidee des Modells: Geldwäsche wird analog zum natürlichen Wasserkreislauf als wiederkehrender Prozess verstanden.

Fachliche Einordnung

Ein Modell der ökonomischen Reproduktion krimineller Vermögenswerte.

Das Kreislaufmodell erklärt Geldwäsche anhand des Wasserkreislaufs. Der „Niederschlag“ steht für illegal angefallenes Bargeld. Über verschiedene Reinigungs-, Sammel-, Transfer- und Nutzungsschritte werden die Vermögenswerte in legale oder scheinbar legale Strukturen überführt. Am Ende können sie wieder in das Ursprungsland zurückkehren oder erneut zur Finanzierung illegaler Aktivitäten eingesetzt werden.

Damit gehört das Modell zu den frühen Ansätzen, die Geldwäsche nicht nur als einzelne Verschleierungshandlung, sondern als fortlaufenden wirtschaftlichen Kreislauf beschreiben.

Modellbestandteile

Die zehn Phasen des Kreislaufmodells.

1

Niederschlag

Der Niederschlag steht für das durch Straftaten angefallene Bargeld, meist in kleiner Stückelung.

2

Versickerung

Eine zentrale Stelle sammelt die illegalen Vermögenswerte und wandelt sie in andere Vermögensformen um.

3

Grundwasserströme

Die vorgewaschenen Gelder werden innerhalb der Organisation zusammengeführt und in andere Vermögensformen umgewandelt.

4

Grundwasserseen und Abfluss

Die zusammengeführten Gelder werden einer auf Geldwäsche spezialisierten Sparte übergeben, dort weiter aufbereitet und ins Ausland transferiert.

5

Neuerliche Sammlung in Seen

Die Gelder fließen wieder in den Händen der Hintermänner zusammen und werden dort zur Legalisierung erneut aufbereitet.

6

Pumpstation

Die Gelder werden in den legalen Finanzkreislauf eingespeist, etwa durch Kontoeröffnungen oder den Erwerb von Vermögenswerten.

7

Kläranlage

Eine zweite Reinigung erfolgt, etwa über Treuhänder, Broker, Anwälte oder Briefkastengesellschaften im Land der Geldwäsche.

8

Einspeisung und Nutzung

Die Vermögenswerte werden zur weiteren Verschleierung zwischen Konten bewegt, umgeschichtet und investiert.

9

Verdunstung

Die nun scheinbar sauberen Gelder können in das Land der Straftat oder in andere Länder transferiert und dort angelegt werden.

10

Neuerlicher Niederschlag

Die gewaschenen und zurückgeführten Gelder können erneut in illegale Aktivitäten investiert werden, sodass der Kreislauf von vorne beginnt.

Bewertung

Warum Zünds Modell besonders stark ist.

Das Kreislaufmodell von Zünd gehört zu den wenigen frühen Geldwäschemodellen, die Geldwäsche nicht als isolierten Vorgang, sondern als ökonomischen Reproduktionsprozess organisierter Kriminalität verstehen.

  • Es erklärt Wiederholung, Rückführung und Reinvestition.
  • Es verbindet Ursprungstat, Geldwäschehandlungen und neue Straftaten.
  • Es macht sichtbar, dass Geldwäsche kriminelle Geschäftsmodelle dauerhaft finanzieren kann.
  • Es unterscheidet zwischen Land der Straftat und Land der Geldwäsche.
  • Es ist deutlich dynamischer als rein lineare Phasenmodelle.
GCC-Einordnung

Praktische Relevanz für Financial Crime Compliance.

Für die Geldwäscheprävention ist das Kreislaufmodell besonders wertvoll, weil es Geldwäsche als fortlaufenden Finanzierungs- und Reinvestitionsprozess krimineller Strukturen beschreibt.

Kriminelle Geschäftsmodelle

Dauerhafte Finanzierung

Das Modell verdeutlicht, dass Geldwäsche nicht nur der Verschleierung vergangener Straftaten dient, sondern die wirtschaftliche Grundlage für weitere Straftaten schaffen kann.

Reinvestition

Rückführung in neue Straftaten

Gewaschene Gelder können erneut in kriminelle Aktivitäten, Infrastruktur, Korruption oder Expansion investiert werden.

Organisierte Kriminalität

Internationaler Kreislauf

Das Modell eignet sich besonders zur Erklärung arbeitsteiliger und grenzüberschreitender Strukturen organisierter Kriminalität.

Einordnung im House of AML

Das Kreislaufmodell verbindet Grundlagen, Risikoerkennung und strategische Analyse.

Primärer House-Baustein

Regulatorisches Fundament

Das Modell liefert ein grundlegendes Verständnis dafür, warum Geldwäsche als wiederkehrender und wirtschaftlich wirksamer Prozess betrachtet werden muss.

Quellen

Quellenbasis.

  • Zünd, André (1990): Geldwäscherei – Motive, Formen, Abwehr, Der Schweizer Treuhänder, Heft 9/1990, S. 403 ff.
  • Bongard, Kai (2013): Wirtschaftsfaktor Geldwäsche – Analyse und Bekämpfung.
  • Müller, Christof (1992): Geldwäscherei – Motive, Formen, Abwehr, Dissertation Universität St. Gallen.
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